Geisenfeld


Geisenfeld ist eine Stadt im nördlichen Oberbayern. Sie liegt in der Holledau, ca. 20 km südöstlich von Ingolstadt und 70 km nördlich der Landeshauptstadt München.

Geisenfeld besteht aus dem Stadtzentrum und 18 weiteren Orten. Sie hat knapp 10.000 Einwohner. Während das Zentrum aus Wohn- und Geschäftshäusern besteht, hat sich in den Ortsteilen das landwirtschaftliche Bild der Holledau noch erhalten.

Die Gemeinde Geisenfeld besteht aus folgenden Orten: Ainau, Brunn, Eichelberg, Engelbrechtsmünster, Gaden, Geisenfeld, Geisenfeldwinden, Holzleiten, Ilmendorf, Nötting, Obermettenbach, Parleiten, Rottenegg, Schafhof, Schillwitzhausen, Schillwitzried, Untermettenbach, Unterpindhart, Zell.

Geisenfeld hat eine lange Geschichte.

Bereits 736 wurde es erwähnt. Damals siedelten sich die Wenden an und brachten den Hopfen mit nach Geisenfeld. Von hier aus begann das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt, die Holledau, zu wachsen.  Wer mehr über Geisenfeld erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch "Geisenfeld - Ein Streifzug durch die Vergangenheit" von Helmut Weinmayer. Es ist bei der Ilmgaudruckerei und Verlags GmbH im Jahr 1992 erschienen, ISBN 3-929-466-00-7

Die alte Pfarrkirche von Geisenfeld


Die alte Pfarrkirche stand an der Stelle, wo heute das Geisenfelder Rathaus steht. Sie war dem heiligen Emmeram geweiht. Deshalb ist auch der Hl. Emmeram der Pfarrpatron von Geisenfeld, während die heutige Pfarrkirche (ehemalige Klosterkirche) der in den Himmel aufgenommenen Mutter Jesu, Maria, geweiht ist. 1804, nach der Auflösung des Klosters Geisenfeld durch den kurfürstlichen Kommissär Nißl, wurde die Klosterkirche zur Pfarrkirche. Bis 1805 standen beide Kirchen nebeneinander am heutigen Kirchplatz. Damals wurde die alte Pfarrkirche profaniert, umgebaut und später abgebrochen.

Die Friedhöfe von Geisenfeld


Bis 1803 war um die alte Pfarrkirche auch der Friedhof von Geisenfeld. Dieser wurde aber bereits ab ca. 1620 durch einen weiteren Friedhof, außerhalb der Stadtmauern, ergänzt. Allerdings wurden auf dem Friedhof im Norden Geisenfelds (heute Stadtpark "Alter Friedhof" an der Steinbräukreuzung) bis 1803 nur die Leichen von Auswärtigen, Armen und Pesttoten bestattet. Der Friedhof an der Steinbräukreuzung wurde dann 1978 aufgelassen und abgeräumt.
Der dritte Geisenfelder Friedhof wurde Mitte 1958 von Pfarrer Franz Heldmann eingeweiht und eröffnet. Seitdem ist dieser Friedhof, an der Nöttinger Straße, immer wieder erweitert worden.

Die Glocken auf dem Kirchturm


Die Glocken auf den Geisenfelder Kirchtürmen sind aus Bronze gegossen. Auf dem Südturm (umgebaut um das Jahr 1728 mit einer Höhe von etwa 54 Metern) hängen drei, und auf dem Stifterturm sind es zwei Glocken. Während des zweiten Weltkrieges musste Geisenfeld alle Glocken der Kirche zum Einschmelzen für Kriegsmaterial abgeben. Während dieser Zeit hatten die Geisenfelder dann nur eine Notglocke. Diese wurde von Schmiedemeister Michael Heidersberger aus alten Autofelgen zusammengeschweißt. Diese Glocke hängt noch heute im Nordturm.
Zwei der alten Glocken von Geisenfeld, die man während des Krieges abgeben musste, fand man 1950 auf dem 'Glockenfriedhof' von Hamburg und brachte sie wieder nach Geisenfeld. Sie wurden auf dem Stifterturm gehängt. Die Marienglocke wurde 1951 von dem Landshuter Johann Hahn gegossen. 1957 wurde die größte Glocke der Geisenfelder Kirche, die Herz-Jesu-Glocke, von Rudolf Perner aus Passau angefertigt. Diese beiden
hängen zusammen mit der Notglocke auf dem Nordturm.

Kloster Geisenfeld


Das Geisenfelder Kloster wurde im Jahre 1030 von Graf Eberhard II. von Sempt und Ebersberg und seiner Frau Gräfin Adelheit gegründet. Das Kloster war ein Ersatz für das Kloster Ilma, das um das Jahr 955 von den Ungarn zerstört worden war. Das Kloster Ilma stand allerdings nicht in Geisenfeld selbst, sondern im heutigen Ortsteil Engelbrechtsmünster. Die drei Kinder der beiden verstarben und da sie keine weiteren Nachkommen hatten, stifteten sie ihr Vermögen dem Kloster Geisenfeld. Es war damals ein Benediktinerinnenkloster mit etwa 50 Nonnen. An der linken Wandseite der Kirche befindet sich noch heute das Stifterbild. Das Bild zeigt die Familie des Grafen wie sie ihren gesamten Besitz der Mutter Gottes übergeben. Das Grab des Grafen Eberhard befindet sich auf der Nordseite der Klosterkirche, zwischen Hauptportal und Orgelaufgang. Das Kloster Geisenfeld war eines der größten und reichsten Klöster im damaligen Bayern. Zum Landbesitz des Klosters gehörten noch 1752 189 Anwesen in folgenden Orten:
Geisenfeldwinden (36 Anwesen)
Nötting (19)
Kleinnötting (7)
Holzleiten (13)
Scheuerhof (1)
Parleiten (14)
Eichelberg (12)
Dörfl (2)
Hög (12)
Langenbruck und Hofen (24)
Winden am Aign (13)
Agelsberg (10)
Au am Aign (5)
Stöffel (6)
Fürholzen (2)
Ronnweg (9)
St. Kastl (1) und die Fronmühle in Geisenfeld

Aufgrund umfangreicher Schenkungen, der Gründer des Klosters, gehörten außerdem Teile von Gaimersheim bei Ingolstadt und Langquaid im Landkreis Kelheim zum Besitz des Klosters. Das Kloster Geisenfeld hatte in den genannten Orten auch das Recht der niederen Gerichtsbarkeit. Zum Kloster gehörten auch eine Brauerei (Klosterbräu), eine Sattlerei (Möbelhaus Weiß), eine Mühle (Sägewerk Knerr), eine Bäckerei (Bäckerei Escheu), eine Apotheke und viele andere der damaligen Handwerke.

Stadtrecht


Die Stadt Geisenfeld hat seit dem 18. November 1952 das Stadtrecht. Der damalige stellv.
Ministerpräsident Bayerns, Dr. Wilhelm Hoegner, überreichte dem 1. Bürgermeister Peter Appel am 23. November im Rahmen einer Feier im Fuchsbüchler-Saal, die Urkunde zur Stadterhebung. In Geisenfeld wohnten damals etwa 3100 Einwohner, die natürlich zahlreich an der Veranstaltung teilnahmen. Als Grund für die Stadterhebung nannte Dr. Hoegner die Geschichte Geisenfelds mit seinen historischen Gebäuden (Stadtpfarrkirche, Pfarrhof, Wörl-Weichenrieder-Anwesen, Schreibwaren Bauer, altes Rathaus), seine städtische Bauweise und der erfolgreiche wirtschaftliche Aufbau nach dem 2. Weltkrieg. Im Rahmen der Feier wurde auch das Geisenfelder Heimatlied uraufgeführt. Der Text dazu stammt von Anneliese Schmid, vertont wurde es von Anton Staudacher.

Das Geisenfelder Heimatlied


Es wohnt ein emsig Völkchen am Rand der Holledau.
Hoch oben ziehen Wölkchen am Himmel, weiß und blau.
Umrahmt von Hopfengärten steht meiner Heimat Welt.
Fragst du, bekommst zur Antwort: "Die Stadt heißt Geisenfeld".

Sie hat vor vielen Jahren Graf Eberhard gebaut
mit Türmen, Kirch' und Kloster, das heut ins Land noch schaut.
Gerechtigkeit die Waage am Rathaus stetig hält.
Ein Sinnbild ist's der Ordnung im schönen Geisenfeld.

Sankt Emmeram, der Gute, ist unser Schutzpatron.
Es ist uns oft zumute, als wüßt er's lange schon,
wie rauh und fromm und tüchtig, mit oder ohne Geld,
und lustig auch und listig sind d'Leut in Geisenfeld.

Die Bürger und die Bauern, das Handwerk und die Kunst,
sie wissen, soll was dauern, tut man's mit Schicksals Gunst.
Sie reichen sich die Hände, daß Treu die Wache hält,
zu Lob und Preis und Ehre der Heimat Geisenfeld.

Trotz allbekannter Weise: "Der Hopf, der is a Tropf",
hilft man ihm hier mit Fleiße in vieler Brauer Topf.
Nicht Wein von süßen Reben, nein Bier die Kraft erhält.
Es läßt sich fröhlich leben im Städtchen Geisenfeld.

Und außerhalb der Gärten, wo sich der Hopfen wiegt,
ein Kranz von Grünen Wäldern um Geisenfeld dann liegt.
Die Ilm fließt still im Tale. Sie immerfort erzählt,
wie schön ist für uns alle die Heimat Geisenfeld.

Das Wappen von Geisenfeld

Die Herkunft des Geisenfelder Wappens ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird, daß es sich vom Wappen des Klosters Geisenfeld ableitet. Die ältesten farbigen
Wiedergaben des Wappens stammen aus den Jahren 1565, 1568 und 1590. Sie zeigen den
silbernen Zickzack-Balken im roten Feld. Im Jahre 1818 wurden, durch einen Fehler des
damaligen Magistrates unter Bürgermeister Anton Stephan, die Farben umgedreht. Seit
dieser Zeit hat das offizielle Bürgermeistersiegel den roten Zickzack-Balken. Allerdings wird bei farbigen Wiedergaben des Wappens der silberne Zickzack-Balken auf rotem Feld
bevorzugt.

Einwohnerzahlen


Die Geisenfelder Einwohnerzahlen seit 1811:

1811955 19192056
1825
985 19252094
18341054
 
1933
2163
18431157
 1939
2338
18551215
 1945
3054
1864
1587
 19463294
1867
1667
 1948
3470
18711773
 1950
3235
1875
1815
 1954
 2978
1885
2032
 1957
2861
1890
1876
 1959
2798
1900
1849
 1960
2825
1907
2000
 1963
2975
1910
2060
 1965
3220
1916
1767
 1969
3267


Die Entwicklung seit der Gebietsreform: (nach Eingliederung von 8 und ab 1978 von weiteren 3 ehemalig selbstständigen Gemeinden)

1971
5308
 1990
8021
1975
5284
 1991
8114
1980
7124
 1999
9165
19857287
 2000
9280
1987
7689
 2001
9478
1989
7843
 2006
9748


Der Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm


Geisenfeld liegt im nördlichen Teil des Landkreises Pfaffenhofen a. d. Ilm. Der Landkreis liegt im nördlichen Oberbayern angrenzend an die Landkreise Neuburg-Schrobenhausen, Eichstätt, Kelheim, Freising und Dachau, sowie an die Stadt Ingolstadt.
Der Landkreis in Zahlen:
Nord-Süd-Ausdehnung ca. 45 km
West-Ost-Ausdehnung ca. 27 km
Höchster Punkt 545 m über NN bei Junkenhofen
Tiefster Punkt 351 m über NN bei Münchsmünster
Bevölkerung (Stand 31.12.2006) 116.014 Einwohner
Fläche des Kreisgebietes 760 km²
Gemeinden 19
Autobahn (A9, A93) 40 km
Bundesstraßen (B13, B16, B300) 92 km
Staatsstraßen 147 km
Kreisstraßen 220 km
Gemeindestraßen 1128 km, davon 566 km innerorts

Die Gemeinden des Landkreises:

Baar-Ebenhausen
Ernsgaden
Geisenfeld
Gerolsbach
Hettenshausen
Hohenwart
Ilmmünster
Jetzendorf
Manching
Münchsmünster
Pfaffenhofen/Ilm
Pörnbach
Reichertshausen
Reichertshofen
Rohrbach
Scheyern
Schweitenkirchen
Vohburg/Donau
Wolnzach

Geschichtlicher Überblick

700-800 Gründung der Siedlung Geisenfeld
955       Schlacht auf dem Lechfeld. Ungarn verwüsten die Gegend um Geisenfeld
1030      Graf Eberhard von Sempt und Ebersberg stiftet das Benediktinerinnenkloster
1100-1450 Größere Judengemeinde in Geisenfeld
1281 oder 1310 Geisenfeld erhält das Marktrecht
1392      Landesteilung. Geisenfeld bleibt beim Teilherzogtum Bayern-München und    
            wird Grenzort zum Teilherzogtum Bayern-Ingolstadt.
1407      Bau der Befestigungsanlagen beginnt
1483      Reformierung des Klosters. Abtissin Helene Prunner wird abgesetzt, als 
            Nachfolgerin kommt Barbara Snäkler vom Kloster Bergen bei Neuburg nach 
            Geisenfeld
1504      Landshuter Erbfolgekrieg. Schwere Zerstörungen in Geisenfeld
1558      Ständige Poststation in Geisenfeld
1626      Abschluß des Rathausbaus
1632      Schweden erstürmen Geisenfeld, plündern, brandschatzen und morden
1633/34  Pestseuche fordert in der Pfarrei Geisenfeld 782 Todesopfer
1664       Postkurs von München nach Regensburg verkehrt über Geisenfeld
1704      Spanischer Erbfolgekrieg. Zahlreiche Greueltaten und Brände durch feindliche
            Soldaten, österreichische Besatzung
1701-1712 Neubau der Klostergebäude
1713       Letzte Pestepidemie im Markt
1730       Weihe der neugestalteten Abteikirche
1742       Österreichischer Erbfolgekrieg. Wieder feindliche Soldaten in Geisenfeld
1789       Neuorganisation des Forstwesens. Wildmeisteramt Geisenfeld wird eines von 20
             Wild- und Forstmeisterämtern in Bayern
1796       Französische Revolotiunstruppen in Geisenfeld. Schlacht um Kastlberg zwischen
             Franzosen und Österreichern
1803       Säkularisation des Benediktinerinnenklosters
1805       Beginn des Abbruchs der Befestigungsmauern
1807       Erster Protestant läßt sich in Geisenfeld nieder
1808       Übernahme der Thurn- und Taxis'schen Posthalterei (ehem. kaiserliche
             Reichsposthalterei) Geisenfeld durch das Königreich Bayern
1809       Wieder Krieg zwischen den Franzosen und Österreichern in der Holledau  
             (Schlacht bei Abensberg). Napoleon in unserer Gegend
1816       Errichtung einer Gendamerie-Station
1839       Geisenfeld erhält eine Straßenbeleuchtung
1842       Eröffnung des ersten Krankenhauses
1847       Größte Brandkatastrophe in Geisenfeld. 65 Haupt- und 59 Nebengebäude 
             brennen ab.
1862       Geisenfeld wird Sitz eines Landgerichts (ab 1879 Amtsgericht) für 39 Gemeinden
1870       Die Freiwillige Feuerwehr Geisenfeld wird gegründet
1874       Erste Ausgabe des "Geisenfelder Wochenblattes" erscheint
1882       Eröffnung eines Kindergartens der Schulschwestern
1885       Geisenfeld wird wieder Sitz eines Forstamtes
1888       Erstes Telefon in Geisenfeld
1899/1900 Geisenfeld erhält elektrisches Licht
1905       Josef Münch erster Autobesitzer in Geisenfeld
1906       Eisenbahnlinie Wolnzach-Bahnhof - Geisenfeld eröffnet
1924       Erstes Radiogerät in Geisenfeld
1933/34   Bau einer zentralen Wasserversorgung mit Wasserturm
1945       Einmarsch amerikanischer Truppen
1952       Geisenfeld wird zur Stadt erhoben
1955       Erstes Volksfest
1956       Einweihung des neuen städtischen Krankenhauses
1967       Inbetriebnahme des vollbiologischen Klärwerks
1971-1978 Eingliederung der Gemeinden Engelbrechtsmünster, Gaden, Geisenfeldwinden,
             Ilmendorf, Nötting, Parleiten, Rottenegg, Schillwitzried, Untermettenbach,
             Unterpindhart und Zell. Sowie Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft mit der
             Gemeinde Ernsgaden.
1973       Auflösung des Amtsgerichts Geisenfeld
1975       Rot-Kreuz-Haus wird eingeweiht. Ständig besetzte Wache des Bayerischen    
             Roten Kreuzes in Geisenfeld
1977       Einweihung des Schulzentrums mit Grundschule, Hauptschule, Realschule und
             Sonderschule
1980       Einweihung des Sportzentrums
1983       Einweihung des neuen Rathauses
1985       Caritas-Altenheim (ehem. Krankenhaus) bezugsfertig
1987       Einstellung der Bahnlinie
1988       Neubau des Feuerwehrgerätehauses in der Nöttinger Straße
1992       Einweihung des neuen Klärwerks
1993       Kleinzentrum Geisenfeld wird zum Unterzentrum aufgestuft
1994       Jahrhunderhochwasser in Geisenfeld
2001       Hochwasserfreilegung im Stadtgebiet
2007       Forstreform in Bayern - Das Forstamt wird aufgelöst